Gott liebt mich – Also liebe ich mich selbst?

Als Gesellschaft haben wir bereits viele verschiedene Phasen der Selbstbilder gemeinsam durchlebt. Selbstkritik, eventuell sogar Selbsthass, Selbstoptimierung, Selbstliebe, Kritik an fehlender Selbstliebe und so weiter. Die eine Sache, die uns gesamtgesellschaftlich noch fehlt, ist Selbstakzeptanz.

Akzeptieren, dass wir sind wie wir sind und aussehen wie wir aussehen, aber eben auch akzeptieren, dass wir uns vielleicht nicht lieben und nicht in den Spiegel schauen und begeistert sind. Aber heute soll es um etwas anderes gehen, nämlich um die Thematisierung von Körper- und Selbstbildern im christlichen Glauben. Die Bibel thematisiert den Körper auf vielfältige Weise und betont dabei vor allem, wie Gott uns durch seine Worte dazu ermutigt, unseren Körper zu schätzen und zu respektieren.

Ein Beispiel hierfür finden wir in Psalm 139,13-15, wo es heißt: „Denn du hast mein Inneres geschaffen, mich gewoben im Schoß meiner Mutter. Ich danke dir, dass du mich so wunderbar gestaltet hast. Ich weiß: Staunenswert sind deine Werke. Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen.” Diese Worte erinnern uns daran, dass unser Körper ein Geschenk Gottes ist, kunstvoll und wunderbar gemacht.

In Römer 12,4-5 lesen wir: „Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne, aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.“, was der Betrachtung und Bewertung des Körpers eine metaphorische Ebene zuspricht.

Und im 1. Korinther 12,25 heißt es: „Gott aber hat den Leib so zusammengefügt, dass er dem geringsten Glied mehr Ehre zukommen ließ, damit im Leib kein Zwiespalt entstehe, sondern alle Glieder einträchtig füreinander sorgen.“. Diese Verse zeigen uns, dass wir als Christ*innen dazu berufen sind, unseren Körper zu pflegen und für ihn zu sorgen, ebenso wie für unsere Mitmenschen. Doch was ist, wenn wir uns selbst nicht lieben können? Bedeutet das, dass wir schlechte Christ*innen sind? Für die Beantwortung dieser Frage ist es wichtig zu verstehen, dass Selbstliebe kein Zeichen von Egoismus ist, sondern vielmehr ein Ausdruck von Dankbarkeit für die Schöpfung Gottes, zu der auch unser Körper gehört. Wir müssen uns nicht besonders schön oder attraktiv finden, sondern eher dankbar für die Funktionen unseres Körpers sein. Indem wir uns mit den Worten Gottes beschäftigen, können wir ein tieferes Verständnis für seine Liebe zu uns und zu unserem Körper entwickeln. Anstatt uns auf unsere vermeintlichen Mängel zu konzentrieren, sollten wir uns bewusst machen, wofür wir dankbar sind. Jeder Körper ist einzigartig und von Gott geschaffen.

Abschließend stellt sich trotzdem noch die Frage nach dem Unterschied zwischen einem gesunden Körperbild und der „Body Positivity“-Bewegung. Denn wenn wir unseren Körper akzeptieren, übernehmen wir auch Verantwortung für ihn und seine Gesundheit. Während ein gesundes Körperbild darauf abzielt, unseren Körper als Geschenk Gottes anzusehen und ihn zu pflegen, kann „Body Positivity“ dazu neigen, jedes Körperbild zu feiern, unabhängig von seinem Gesundheitszustand. Es ist wichtig, einen ausgewogenen Ansatz zu finden, der sowohl Selbstakzeptanz als auch Motivation zur Verbesserung unserer Gesundheit fördert.

Wie bei vielen weiteren großen Themen innerhalb des Glaubens gibt es auch hier kein schwarz oder weiß. Die Reise zur Selbstakzeptanz mag mitunter beschwerlich sein und wir dürfen uns nicht dafür verurteilen, wenn es uns manchmal nicht so leicht fällt, Dankbarkeit für das Geschenk zu empfinden, welches uns mit dem Leben und unseren Körpern gemacht wurde.

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